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- Abhängig
von Arbeit - gibt es das?
- Ohne Fleiß kein
Preis. Morgenstund hat Gold im Mund - seit gut einem Jahrhundert ist
es eines der wichtigsten Erziehungsziele, Geld und Geltung aus der eigenen
Arbeit zu ziehen. Jeder arbeitet manchmal sehr viel, oder überarbeitet
sich, ohne je auf den Gedanken zu kommen, daß da eine Sucht im
Spiel sein könnte. Alle gesellschaftlichen Karrierevorbilder arbeiten
viel, Top-Manager bis zu 60 Stunden in der Woche, Spitzensportler trainieren
oft den ganzen Tag.
Arbeit ist der Schlüssel zu Geld und Erfolg, Arbeit adelt.
- Arbeit ist
das ganze Leben
- Doch einige sind dabei
nicht reich, sondern krank geworden. Bei ihnen hat sich die Arbeit in
eine Droge verwandelt. Ständig auf der Überholspur zu leben,
hält nicht jeder aus. Irgendwann hat sich bei der Arbeit ein Hochgefühl
eingestellt, ein Kick. Und seither versuchen die Arbeitssüchtigen
ihr tägliches Pensum noch schneller, besser, intensiver zu erledigen.
Das Hochgefühl soll wieder erreicht werden. Dazu ist ständiges
Arbeiten nötig. So viel; daß die Betroffenen bereits anfangen,
die Arbeit zu verstecken, so wie andere den Schnaps. Sie arbeiten, wenn
es niemand sieht. Frühmorgens oder spätabends. Und wie der
Alkohol darf die Arbeit auch nie zu Ende gehen. Arbeit wird versteckt,
in Reserve gehalten.
- Symptome
wie beim Alkoholmißbrauch
- Wenn die Arbeit immer
mehr wird, verlieren die Arbeitssüchtigen den Rhythmus von Arbeit
und Privatem. Das Arbeiten am Wochenende hat zum Ergebnis, daß
die Arbeit immer vorgeht. Es bedeutet auch, daß die Freunde, die
Partnerin, die Familie vernachlässigt werden. Den Begriff Arbeitssucht
- auch den des Workaholic - gibt es erst seit den 70er Jahren. Damals
fand man in den USA heraus, daß die Symptome von Arbeitssucht
erstaunlich denen der Alkoholabhängigkeit ähneln.
- Zahlen
und Fakten
- Nicht jedes Vielarbeiten
ist Sucht. Man weiß auch gar nicht, wieviele Arbeitssüchtige
es gibt. Der Leidensdruck der Arbeitssüchtigen setzt spät
ein. Eine Arbeitssucht wird erst offenbar, wenn die Arbeit verloren
geht. Dann stürzen die Arbeitssüchtigen in die Krise, wie
Heroinabhängige, die plötzlich an keinen Stoff mehr herankommen.
Der Mißbrauch von Arbeit führt zu körperlichen Verschleißerscheinungen.
Zu den Folgen gehören seelische Störungen, Hörsturz,
Magendurchbrüche, Herzinfarkt oder Hirnschlag. Selbst im Krankenhaus
fangen Arbeitssüchtige schon wieder an zu arbeiten. Therapien sind
im Bereich der Arbeitssucht selten erfolgreich.
- Hinweise
auf Arbeitsmißbrauch

- Frühes
Stadium:
Hetze, Geschäftigkeit, Sorgen
Man übernimmt immer mehr Arbeiten, sagt nicht: Genug
Überschätzung der eigenen Fähigkeiten
Alles wird zu Arbeit, selbst die schönsten Freizeitbeschäftigungen
Die Gedanken kreisen immer häufiger um Arbeit
Zwischenmenschliche Beziehungen werden schlechter.
Mittleres
Stadium:
Die Arbeit dehnt sich auf den Abend aus, in die Morgenstunden, ins
Wochenende
Man verachtet diejenigen, die ins Konzert oder Wandern gehen
Konzentrationsschwäche
Blackouts, auch im Straßenverkehr
Wer Arbeit als Droge mißbraucht, greift auch zu anderen Drogen,
um von der Arbeit wieder abschalten zu können
Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Depressionen
Emotionales Absterben.
Endstadium:
Hirnschlag oder Herzinfarkt
Vorzeitiger Tod.
- Ursachen
und Entstehung

-
Jede
Suchtgeschichte ist anders. Arbeitssucht ist die Suche nach Anerkennung.
Das Kind bekam keine Aufmerksamkeit, seine Erfolge wurden nicht bewundert.
Die Eltern waren vielleicht ständig überarbeitet, von dem
Kind wurde erwartet, daß es früh mit anpackte. Zuwendung
hing ab von der erbrachten Leistung. Nichtarbeiten wurde in der Kindheit
bestraft. Oder das Kind wurde weggeschickt mit den Worten: Laß
mich das noch fertig machen...,wobei die Arbeit aber nie fertig war.
Solch ein Verhalten sät eine spätere Arbeitssucht. Und obwohl
sie als Kinder damit gequält wurden, verhalten sich die Arbeitssüchtigen
später als Erwachsene wieder genauso gegenüber ihren Nächsten
und Kindern.
- Verlauf
und Folgen

- Arbeitssüchtige
werden von ihrer Arbeit in Schwung gehalten. Es beginnt ganz harmlos.
Jedes Lesen wird als Freizeit ausgegeben, selbst wenn es für den
Beruf ist. Die Arbeit nimmt im Denken einen immer größeren
Raum ein, Beziehungen zu Freunden und zur Familie verschlechtern sich.
In der kritischen Phase hört der Süchtige nicht mehr auf zu
arbeiten, arbeitet wie im Rausch. Arbeit wird gehortet. Ist einmal kein
Termindruck da, fühlt sich der Süchtige überflüssig.
Die ersten körperlichen
Symptome können einsetzen:
Bluthochdruck, Magengeschwüre, Depressionen.
In der chronischen
Phase, wenn zusätzliche Abend-, Nacht- sowie Sonntagsarbeit hinzukommen,
wird die Schlafzeit drastisch verkürzt. Drei bis fünf Stunden
Schlaf sind dann die Regel. Manche kommen sogar tagelang ohne Schlaf
aus und halten sich nur mit Aufputschmittel wach. Weil es in dieser
Phase Denk- und Konzentrationsschwächen gibt, müssen Medikamente,
Alkohol und Nikotin helfen. In der letzten Phase setzen die schweren
organischen Krankheiten ein: Hörsturz, Herzinfarkt, Hirnschlag.
- Behandlung

- Eine
Therapie kann erst begonnen werden, wenn beim Süchtigen eine Krankheitseinsicht
vorhanden ist. Der erste Schritt aus dem Workaholismus heißt also,
in der eigenen Arbeitsweise eine Sucht zu erkennen.
Bei nichtstofflichen Süchten, zu denen die Arbeitssucht gehört,
ist es ganz besonders schwer, auf das Suchtmittel zu verzichten. Anders
als beim Alkoholismus, wo man lernen kann, das erste Glas stehen zu
lassen, kann man nicht ein Leben lang ohne Arbeit leben. Das Lernziel
einer Therapie muß also langfristiger angelegt werden und wird
darin bestehen, den Süchtigen lernen zu lassen, daß er auch
ohne übermäßige Arbeitsleistung etwas wert ist. Wie
bei jeder Sucht beginnt auch der Ausstieg aus dem Workaholismus mit
der Erkenntnis: Die Sucht nach der Arbeit ist stärker als der Süchtige.
Er hat nicht die Kraft, die Arbeit sein zu lassen. Arbeitssucht ist
eine Krankheit, auch wenn sie offiziell nicht als eine solche anerkannt
ist. Professionelle Hilfe findet der Süchtige bei Therapeuten,
in Suchtberatungen oder in Selbsthilfegruppen. Parallel zu den Anonymen
Alkoholikern haben sich in einigen Städten Selbsthilfegruppen von
Anonymen Arbeitssüchtigen gebildet. Die Adressen sind über
die Kontakttelefonnummern der Anonymen Alkoholiker zu erfahren.
Man muß
aufhören zu glauben, man arbeite nur für die anderen.
Statt schnell im Stehen zu essen, sollte man sich Zeit nehmen fürs
Essen.
Es ist wichtig, ab und zu einen Tag am Strand oder auf der Wiese zu
verbringen.
Wenn man mal ins Wochenende fährt, sollte man keine Arbeit mitnehmen.
Als Lektüre nur das einstecken, was nicht mit der Arbeit zu tun
hat
Man sollte sich Zeit nehmen - und es vielleicht ganz neu lernen - mit
Kinder zu spielen.
Ein Ziel wird sein, mit und für Menschen zu leben, nicht für
die Arbeit.
All dies sollte
getan werden, ohne darin wieder eine Meisterschaft erringen zu wollen.
- Sucht
hat immer eine Geschichte

- Sucht
hat nie eine einzige Ursache: Die Persönlichkeit und die Umwelt,
in der ein Mensch aufgewachsen ist oder lebt, entscheiden darüber,
ob der Mensch einer Suchtgefahr standhalten kann oder nicht. Das Zusammentreffen
mehrerer negativer Erlebnisse belastet jeden Menschen.
Wer viele Möglichkeiten kennengelernt hat, Probleme zu bewältigen,
ist weniger gefährdet, in eine Sucht zu flüchten.
- Vorbeugung

-
Suchtvorbeugung
muß in der Kindheit beginnen. Hier entwickelt sich das Selbstwertgefühl.
Schon das Kind kann lernen, mit Problemen angemessen umzugehen und sein
Leben aktiv zu gestalten. So gestärkt kann es später einer
Suchtgefahr besser standhalten.
Suchtvorbeugung heißt: Selbständigkeit, Selbstachtung, Selbstfindung
und Lebensfreude bei Kindern fördern, Kommunikations- und Konfliktfähigkeiten
stärken. Der Aufbau der Ich-Stärke ist zentrales Ziel suchtvorbeugender
Arbeit in NRW. Damit Kinder und Jugendliche gerade in schwierigen Lebenssituationen
eigenständig entscheiden können, "Nein" zu sagen
und Verantwortung (für sich und ihr Handeln) zu übernehmen.
Das elterliche Vorbild ist wichtig. Sie sollten Ihr eigenes Verhalten,
zum Beispiel Ihren Umgang mit Arbeit und Freizeit, kritisch kontrollieren.
Reden Sie mit Ihrem Kind offen über Sucht und Suchtgefahren. Kinder
sollten wissen, wie es zu Süchten kommt und wie diese wirken.
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