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- Ursprünglich
gegen Asthma
- Bei den Aufputschmitteln
handelt es sich in erster Linie um Stoffe, die mit dem Arzneimittel
Ephedrin verwandt sind. Gefunden wurde Ephedrin bei der Suche
nach einem wirksamen Medikament gegen Asthma durch den Apotheker Chen.
Er forschte in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts bei der Firma
LI LLY.
Chen interessierte
sich für alte chinesische Medikamente und ihm fiel auf, daß
die Pflanze Ma Huang (Ephedra vulgaris) als wirksames Mittel
gegen das asthmatische Pfeifen beschrieben wurde. Nach Isolierung und
chemischer Bestimmung der Wirksubstanz Ephedrin wurde diese bald als
hilfreiche Medizin gegen die bis dahin kaum behandelbaren Asthmaanfälle
eingesetzt.
- Nebenwirkung
Wachmacher

- Schon
bald wurde beobachtet, daß die Arznei auch den
Blutdruck steigert; das
Herz schneller schlagen läßt, zur
Abschwellung der Nasenschleimhaut führt und in
höherer Dosierung auch auf das Gehirn wirkt.
- Bemerkt wurde außerdem
eine Steigerung der
Aufmerksamkeit, ein
vermindertes Schlafbedürfnis, eine
Hemmung des Appetits und
- eine Steigerung des
Selbstwertgefühls.
- Fliehen
oder angreifen?

- Den
anscheinend unterschiedlichen Reaktionen auf das Medikament liegt ein
einfacher, gemeinsamer Mechanismus einer Gruppe von Nervenzellen zugrunde.
Nerven geben ihre Impulse zum nächsten Nerv weiter; indem sie eine
chemische Substanz absondern (Botenstoff oder Transmitter). Das
Ephedrin entfaltet seine Wirkungen nun dadurch, daß es diesem
Botenstoff (Adrenalin und Noradrenalin) in dem System von Nervennetzen
anreichert, aus dem die Ringmuskulatur der Luftröhren, der Adern
und des Herzens gesteuert wird. Derselbe Botenstoff spielt auch eine
Rolle in einem kleinen Zellhaufen im Gehirn, der Aufmerksamkeit und
Wachheit regelt.
Diese Kombination
hat ihren biologischen Sinn: Wenn wir eine Gefahr wahrnehmen, steigert
sich unsere Aufmerksamkeit, wird unser Puls schneller und kräftiger,
atmen wir tief durch und tanken Sauerstoff auf, damit wir in der Lage
sind, unmittelbar zu fliehen oder anzugreifen.
- Gegen
niedrigen Blutdruck

- Nach
seiner Entdeckung wurde das chemisch nicht sehr komplizierte Molekül
Ephedrin in verschiedenen Richtungen weiterentwickelt.
Die
Chemiker haben mit Erfolg versucht, aus dem Stoff mit den vielen Wirkungen
ein Medikament für ganz bestimmte Zwecke zu konstruieren. Beispielsweise
gibt es Ephedrinabkömmlinge, die speziell auf die Luftröhrenmuskulatur
wirken und so als sehr wirksame Asthmamittel eingesetzt werden. Andere
Verwandte wiederum wirken besonders auf die Ringmuskulatur der Schlagadern
und werden in Deutschland zur Behandlung des niedrigen Blutdrucks eingesetzt.
- Gefährliche
Schlankmacher

- Eine
besondere Weiterentwicklung sind die Appetitzügler. In kurzer Zeit
wurden nacheinander neue Varianten als angeblich harmlose Mittel zum
Verkauf freigegeben. Aber schon bald war klar, daß sie schnell
zu Sucht und Abhängigkeit führen. Alle diese Substanzen wurden
wieder aus dem Verkehr gezogen,
existieren aber als Suchtmittel weiter. Siehe auch die Schubladen:
Speed und Ecstasy. Die heute noch zugelassenen Appetitzügler
auf Ephedrinbasis haben nur geringe Suchtpotentiale.
- Unerwartete
Wirkung

- Erwähnt
werden soll noch das Präparat Ritalin. Auch dies ursprünglich
als Appetitzügler entwickelte Mittel wird heute mit großem
Erfolg bei krankhaftem Bewegungsdrang kleiner Kinder (hyperaktives
Kind) eingesetzt.
Die unerwartete
Wirkung ist auch hier auf eine Erhöhung der Aufmerksamkeit zurückzuführen.
Wahrscheinlich hat die übertriebene Aktivität der Kinder ihre
Ursache in einer starken Konzentrationsstörung, die dazu führt,
daß sie sich nicht für längere Zeit einer bestimmten
Sache widmen können.
- Suchtpotential

- Alle
Ephedrin-Präparate haben in den hohen Dosen, die Süchtige
zu sich nehmen, mehr oder weniger stark die Wirkungen der Muttersubstanz
erhalten. Sie beeinflussen Herzschlag, Luftröhre, Schlagader und
bestimmte Bezirke im Gehirn.
Akute Gefahren:
als Rauschmittel
genommen haben die heutigen Ephedrinabkömmlinge nur noch ein geringes
Suchtpotential.
Die größere
Gefahr geht dabei auch heute noch von den zugelassenen Appetitzüglern
aus. Auch Ritalin wird als Suchtmittel mißbraucht. Bei anderen
Arzneimitteln dieser Art (Mittel gegen Asthma, niedrigen Blutdruck,
Schnupfen und Husten) sind schon sehr hohe Dosen erforderlich, um
den erwünschten Rauschzustand hervorzurufen. Siehe auch die Schublade:
Medikamentensucht.
Wahnzustände
bei Mißbrauch
Im Rausch
kommt es anfangs zur Stimmungsaufhellung, anschließend entwickeln
sich oft neben Blutdruckkrisen und Herzjagen tiefe Depressionen und
Wahnzustände.
Hierbei ist ein
deutlicher Unterschied zu anderen Suchtfolgekrankheiten (zum Beispiel:
Delirium) festzustellen. Die Betroffenen befinden sich in einem
wachen Zustand und wissen genau, wo sie sind, wer sie sind. Der Zustand
ähnelt sehr einer Schizophrenie. Wie bei manchen Formen der Schizophrenie
kommt es zu den gefährlichen Verfolgungsideen. Manche Süchtigen
versuchen in ihrer Angst oder Wut, den vermeintlichen Verfolger oder
Verräter umzubringen.
- Schwieriger
Entzug

- Die
Depressionen im Entzug werden meist als unerträglich empfunden.
Deshalb nehmen die Kranken erneut das Mittel. Es entsteht ein Teufelskreis,
aus dem nur wenige ohne fremde Hilfe wieder herausfinden.
- Eine
deutsche Krankheit

- Das
Ausmaß des Mißbrauchs ist nicht abschätzbar, da bei
den verschriebenen Mengen von Medikamenten gegen niedrigen Blutdruck
nicht mehr unterschieden werden kann, ob die Tablette als Arznei oder
als Suchtmittel eingesetzt wird. Es ist auch möglich, daß
die Süchtigen selbst nicht wissen, daß sie süchtig sind,
weil sie die ersten Entzugssymptome als Anzeichen der Blutdruckkrankheit
interpretieren und sofort wieder ihre Medizin nehmen.
Auffällig
ist, daß die Diagnose "niedriger Blutdruck" in englisch sprechenden
Ländern überhaupt nicht existiert. Entsprechend werden auch
keine dazugehörigen Medikamente verschrieben.
- Verschreibungspflicht

- Ritalin
und Appetitzügler sind nur nach Verschreibung erhältlich.
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